Herr-Kah-Texte
Kurz und berlinisch!
Herr Kah äußert sich über die Deutschen und den Weltuntergang
Berlin, 25. August 2012
Die Sonne schien, und halb Berlin brunchte - mindestens halb Prenzlauer Berg. In weiter Ferne grollte ein Donner, wie wenn er sich darüber beschweren wollte, dass er nicht mitbrunchen durfte.
Doktor Woh: „Wie heißen noch mal diese Menschen, die den Weltuntergang kommen sehen.“
Herr Kah: „Sie meinen die Apokalyptiker?“
Doktor Woh: „Nein, Apokalyptiker glauben ja wirklich, dass die Welt untergeht. Ich meine diese Menschen, die den Weltuntergang immer nur kommen sehen, aber nicht wirklich glauben, dass er auch eintrifft.“
Herr Kah: „Dies, mein lieber Doktor Woh, sind wir, die Deutschen.“
Herr Kah fragt, wie schockierend Kunst sein darf
Berlin, 22. August 2012
Es hatte so ausgesehen, als ob die Sonne durchbrechen wollte, aber dann hatte es doch noch einmal zu regnen begonnen.
Herr Kah stand unter dem Vordach eines Cafés in Schöneberg und war froh, dass gerade nicht viel passierte.
Da trat ein Journalist aus dem Café, stellte sich neben Herrn Kah und sagte: "Ich arbeite für eine große europäische Zeitung."
Herr Kah: "Aber Sie drucken auf Papier?"
Der Journalist, verwirrt: "Selbstverständlich. - Sie haben von dem Pussy-Riot-Urteil in Russland gehört?"
Herr Kah: "Den Ohren bleibt ja nichts erspart."
Der Journalist: "Was glauben Sie, wie schockierend darf Kunst sein?"
Herr Kah: "Was glauben Sie, wie schockierend darf Politik sein? Wie schockierend Religion?"
Herr Kah missversteht den Sozialismus im Kapitalismus
Berlin, 11. August 2012
Ein Rentner fischte sich eine alte Tageszeitung aus dem Mülleimer, und aus einer türkischen Bäckerei drang der Duft von guten Schrippen - Friedrichshain am Morgen: Herr Kah sog die frische Luft ein.
Da hielt ein Mann mittleren Alters mit braunen Haaren und feinem Hemd ihn an und sagte: „Herr Kah, ich verdiene viel Geld, aber ich tue es mit einer Arbeit, die kein Niveau hat. Das belastet mich.“
Herr Kah: „Sind Sie kriminell?“
Der Mann: „Nein, meine Arbeit hat einfach nur kein Niveau.“
Herr Kah: „Ich dachte, Geld kennt kein Niveau? Ich dachte, das sei eben der Sozialismus im Kapitalismus: dass alle Scheine gleich sind?“
Herr Kah schreibt einen Zwei-Seiten-Bestseller
Berlin, 5. August 2012
Die Vögel zwitscherten. Eine Currywurstbude hatte keine Kunden. Es roch nach Moabit.
Doktor Woh schreitet mit ausgebreiteten Armen auf Herrn Kah zu und sagt: „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Bestseller!“
Herr Kah: „Vielen Dank, mein lieber Doktor Woh.“
Doktor Woh: „Nur, ein bisschen haben Sie Ihre Leser schon zum Besten, nicht wahr? Wenn ich recht sehe, sind 198 von den 200 Buchseiten leer?“
Herr Kah: „Aber die zwei anderen sind genial formuliert.“
Doktor Woh: „In der Tat. Das muss man zugeben.“
Herr Kah: „Und dennoch sind die 198 leeren Seiten die wichtigsten des Buches, denn auf ihnen gebe ich dem Leser Raum zum eigenen Denken.“
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