Herr Kah glaubt, dass Schulden ein Grund zur Freude sind
Berlin, 27. Juli 2012
Herr Kah und Doktor Woh saßen auf einer Caféterrasse in Westberlin. Doktor Woh las einen Artikel über die Verschuldungsproblematik in der westlichen Welt und fühlte sich bedrückt wie ein armer Sünder.
Doktor Woh: „Wo soll das hinführen? Immer mehr Schulden!“
Herr Kah: „Das ist doch ein Grund zur Freude, mein lieber Doktor.“
Doktor Woh: „Wie bitte?“
Herr Kah: „Wozu haben Sie eigentlich promoviert, wenn Sie die einfachsten Dinge nicht verstehen? Sie müssen doch endlich begreifen, dass Geld in unserem Geldsystem nur in Form von Kredit erzeugt wird. Wo Geld entsteht, entstehen zugleich Schulden. Wenn also alle Wirtschaftssubjekte auf der Welt – Individuen, Staaten, Unternehmen und so weiter – ihre Schulden komplett tilgten, dann gäbe es auch keine Geldvermögen mehr. Wer also sagt: ‚Wir müssen die Schulden reduzieren’, könnte genauso gut sagen: ‚Wir müssen die Vermögen reduzieren’. Wer mit dem Slogan ‚Weniger Schulden!’ in Wahlkämpfe zieht, könnte genauso gut ‚Weniger Geld!’ auf die Plakate schreiben. Das Ergebnis, das dabei herauskäme, wäre allerdings wohl ein anderes...“
Doktor Woh: „Und doch habe ich lieber Vermögen als Schulden.“
Herr Kah: „Das geht mir nicht anders. Die ganze Pointe des Geldsystems besteht ja im Wie der Verteilung von Schulden und Vermögen auf die Wirtschaftssubjekte. Das System produziert notwendig Geldgewinner und Geldverlierer. Und durch es hindurch mäandern die Scheine. Der Einzelne aber lebt entspannter, wenn er sich an Orten postiert, an denen sie vorbeifließen.“
Doktor Woh: „Puh, diese Hitze! Gehen wir?“
Herr Kah: „Einverstanden. Heute zahlen Sie.“
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