Herr-Kah-Texte
Kurz und berlinisch!
Herr Kah verbrennt Geld
Berlin, 8. August 2011
Eines schönen Sommertages spazierte Herr Kah durch den Tiergarten und bat jeden, dem er begegnete, ihm einen 10-Euro-Schein zu schenken.
Da Herr Kah berühmt war, fanden sich viele bereit, seinem Wunsche nachzukommen. So gelang er rasch in den Besitz von 1.000 Euro.
Nun postierte Herr Kah sich an einer gut einsehbaren Stelle des Tiergartens und zündete das Geld an.
Sogleich rannten die Menschen herbei, fluchten und schüttelten die Fäuste. Aber das Geld verbrannte vor ihren Augen.
„Warum haben Sie das getan?“, fragte ein besonders empörter Mann.
„Ich bekämpfe die Inflation“, sagte Herr Kah. „Wenn Sie schon so freundlich sind, mir Geld zu schenken, möchte ich doch alles dafür tun, dass das Geld, welches Ihnen noch bleibt, möglichst viel wert ist.“
Herr Kah redet nicht von Fußball
Berlin, 24. Juli 2011
Ein junger Mann hatte Schwierigkeiten, Herrn Kahs Philosophie zu verstehen, was nicht weiter verwunderlich war, denn Herr Kah hatte ja überhaupt keine Philosophie.
„Sie wollen gar nicht gewinnen, oder?“, fragte der junge Mann.
„Nein“, sagte Herr Kah.
„Sie wollen verlieren?“
„Nein“, sagte Herr Kah. „Gewinnen ist viel zu anstrengend. Wenn man verliert, quält man sich aber auch nur. Gewinnen und Verlieren sind Energieverschwendung. Wenn Sie trotzdem unbedingt gewinnen wollen, sagen Sie sich doch, dass der Verzicht auf Sieg und Niederlage der eigentliche Sieg sei.“
„Einen Pokal gewinnt man damit nicht“, sagte der junge Mann.
„Ich rede auch nicht über Fußball“, sagte Herr Kah und legte sich zurück in die Hängematte.
Herr Kah öffnet ein Fenster
Berlin, 22. Juli 2011
Herr Kah war zu einer Party eingeladen, die der Bundesverband für das gehobene Divertissement der Eliten veranstaltete.
Dort tummelten sich erfolgreiche Politiker, erfolgreiche Künstler, erfolgreiche Intellektuelle und andere Menschen, die es zu viel Geld gebracht hatten.
Herr Kah beobachtete die Partygäste, unterhielt sich mit manchen, begann dann aber trotz der unleugbaren Distinguiertheit seiner Gesprächspartner, sich zu langweilen.
Er ging zu einem Fenster und blickte nach draußen.
Nach einer Weile trat ein Mann an seine Seite und fragte: „Was schauen Sie sich da an, Herr Kah?“
„Was sehen Sie denn?“
„Die Nacht, ein paar Sterne, Umrisse eines Baumes.“
„Ich sehe die Unendlichkeit“, sagte Herr Kah und öffnete das Fenster.
Herr Kah hilft vier Männern in einem Dorf
Berlin, 19. Juli 2011
Herr Kah machte einmal Halt in einem Dorf, in dem vier Männer bei schlechter Gesundheit waren. Da Herr Kah auf dem Land ebenfalls großes Vertrauen genoss, gingen sie zu ihm und baten um Rat.
Den ersten Mann fragte Herr Kah: „Trinken Sie, spielen Sie oder gehen Sie fremd?“
Der Mann wurde rot und sagte: „Ja, ich trinke zu viel.“
„Dann ist es das“, sagte Herr Kah.
Den zweiten Mann fragte Herr Kah: „Trinken Sie, spielen Sie oder gehen Sie fremd?“
Der Mann druckste herum und sagte: „Ja, ich gehe fremd.“
„Dann ist es das“, sagte Herr Kah.
Den dritten Mann fragte Herr Kah: „Trinken Sie, spielen Sie oder gehen Sie fremd?“
Der Mann zupfte sich am Ohr und sagte: „Ja, ich bin ein Spieler“.
„Dann ist es das“, sagte Herr Kah.
Nun fragte Herr Kah auch den vierten Mann: „Trinken Sie, spielen Sie oder gehen Sie fremd?“
Der Mann streckte seine Brust heraus und sagte: „Ich trinke nicht, ich spiele nicht, und ich gehe nicht fremd.“
„Dann ist es das“, sagte Herr Kah.
Als Herr Kah das Dorf ein Jahr später wieder besuchte, erfreuten sich alle Bewohner bester Gesundheit.