Herr-Kah-Texte

Kurz und berlinisch!

Herr Kah unterbricht einen Moderator

Halle/Westfalen, 17. Juli 2011

Als Herr Kah einmal an einer Gesprächsrunde im Fernsehen teilnahm, unterbrach er den Moderator und fragte: „Haben Sie eigentlich verstanden, wovon ich spreche?“

Der Moderator sagte: „Ihre Muttersprache ist auch meine Muttersprache. Ich verstehe die Worte, die Sie benutzen, und die Sätze, die Sie formulieren.“

Herr Kah sagte: „Sie verstehen die Bedeutung. Und doch ist meine ganze Rede nur ein Symbol.“

„Symbol wofür?“, fragte der Moderator.

„Eben das kann man nicht sagen“, antwortete Herr Kah.

Danach widmete sich der Moderator seinen anderen Gästen und stellte Herrn Kah keine weiteren Fragen.

Herr Kah fasst den Kern der Weisheit zusammen

Berlin, 13. Juli 2011

Der Herausgeber der Zeitschrift für Weisheitsforschung hatte Herrn Kah um ein Gespräch gebeten.

„Herr Kah“, sagte er, „viele Menschen halten Sie für einen weisen Mann.“

„Da können Sie sehen, was die Leute alles glauben“, sagte Herr Kah.

Der Herausgeber lachte und sagte: „Das war sehr weise gesprochen. Aber mein Anliegen ist Folgendes: Würden Sie bitte in so wenig Worten wie möglich den Kern der Weisheit zusammenfassen?“

Nun lachte Herr Kah und antwortete: „Ich sag’s mit dem Zen-Buddhismus: ‚Zuerst sind die Berge Berge, und die Flüsse sind Flüsse; dann sind die Berge keine Berge, und die Flüsse sind keine Flüsse; schließlich sind Berge Berge und Flüsse Flüsse.’“

„Sie sind Buddhist?“, fragte der Herausgeber.

„Nein“, sagte Herr Kah, „ich bin Herr Kah.“

Herr Kah berät eine unglückliche Frau

Berlin, 10. Juli 2011

Eine Frau kam zu Herrn Kah und wollte seinen Rat, denn sie war unglücklich.

Sie sagte: „Mein Problem ist...“ Und sie redete und redete und redete... Schließlich fragte sie: „Was soll ich tun, Herr Kah?“

„Für Sie gibt es nichts zu tun“, sagte Herr Kah.

„Es gibt keine Lösung für mein Problem?“, fragte die Frau.

„Das habe ich nicht gesagt“, antwortete Herr Kah.

Herr Kah regt die Gründung einer Meta-Ratingagentur an

Berlin, 11. Juli 2011

Nachdem sie ihn höflich um einen Beratungstermin gebeten hatten, fanden sich die europäischen Finanzminister im Haus von Herrn Kah ein.

Während Herr Kah Leitungswasser und Schnittchen reichte, sagte der italienische Finanzminister: „Herr Kah, Sie wissen, dass die drei großen Ratingagenturen es auf den Euro abgesehen haben und zu diesem Zweck gerade Italien attackieren. Sollen wir, um uns zu verteidigen, eine europäische Ratingagentur gründen?“

Herr Kah sagte: „Der Angegriffene muss schlauer sein als der Angreifer. Sie sollten eine Ratingagentur zur Bewertung von Ratingagenturen gründen. Im modernen Kapitalismus gewinnt man nicht, indem man konkurriert, sondern indem man eine neue Metaebene eröffnet.“

Die Europäische Union überwies Herrn Kah für seine Beratung 20 Millionen Euro.