Bankenrettung und verhungernde Menschen
28. Januar 2009 von Matthias Pleye
Heute wie zu allen Zeiten gibt es Dinge, die man verbessern kann, und Dinge, die man nicht verbessern kann. Das, was man verbessern kann, sollte man verbessern. Mit dem, was man nicht verbessern kann, sollte man sich abfinden. Doch ist nie recht eindeutig, wie genau die Dinge sich auf die beiden Möglichkeiten verteilen. Und so versucht man oft krampfhaft zu verbessern, was man nicht verbessern kann, und resigniert voreilig, wo Verbesserung möglich wäre. Darüber hinaus steht nicht einmal immer fest, was Verbesserung wäre und was Verschlechterung, handelt es sich doch hierbei um Bewertungen, die von der Art und Weise, die Welt zu betrachten, abhängig sind. Diese Arten und Weisen sind jedoch von Mensch zu Mensch, von Kultur zu Kultur höchst unterschiedlich.
Und dann wieder auch nicht. So kenne ich gegenwärtig niemanden, der es ernsthaft für gut hielte, wenn Menschen verhungerten. Nun verhungern aber auf unserem Planeten jährlich mindestens zehn Millionen Menschen. Das heißt: Heute sterben jährlich mehr Menschen an Hunger als 1939-1945 durch den Zweiten Weltkrieg im Schnitt pro Jahr umgekommen sind. Gehört dieser Zustand also zu den Dingen, die wir nicht verbessern können? Nein. Er gehört zu den Dingen, die wir sogar verhältnismäßig leicht verbessern könnten.
Wir tun es aber nicht. Im Gegenteil: Laut den Vereinten Nationen ist die Zahl der Hungernden 2008 weltweit um 40 Prozent gestiegen. 963 Millionen Menschen sind gegenwärtig unterernährt und hungern. Im Juni 2008 haben die Teilnehmerstaaten des Welternährungsgipfels in Rom Spenden im Wert von 17,2 Milliarden Euro zur Hungerbekämpfung zugesagt. Sie sind bis heute nicht in voller Höhe eingegangen. Die Hilfsbereitschaft sinkt sogar, und man redet sich mit der Finanzkrise und der Verteuerung der Lebensmittel heraus.
Nehmen wir doch einmal die Finanzkrise. Nehmen wir dabei nur Deutschland. Und behalten wir zum Vergleich immer jene 17,2 Milliarden Euro im Gedächtnis, die nicht Deutschland für die Hungerbekämpfung zu spenden sich bereit erklärt hatte, sondern alle Teilnehmerstaaten des letzten Welternährungsgipfels insgesamt. Ist nicht der Bund vor ein paar Tagen erst mit 18,2 Milliarden bei der Commerzbank eingestiegen? Und hat die Bundesregierung nicht in Windeseile zwei Konjunkturpakete im Wert von insgesamt 90 Milliarden Euro geschnürt? Und darin sind die Ausgaben, die der 100-Milliarden-Rettungsschirm für Unternehmen und der 500-Milliarden-Rettungsschirm für Banken uns bescheren werden, noch gar nicht eingerechnet.
Diese Zahlen zeugen von den perversen Prioritäten der reichen Länder des Globusses. Ich wähle das Wort ‚pervers‘ mit Bedacht. Denn dieser Zustand ist ein Skandal und mit nichts zu rechtfertigen.
Pfliegerinnen und Pflieger, seid gegrüßt!
So sind wir konkruent der gleichen Meinung. So ist es.
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[...] (die Vereinten Nationen gaben für 2008 eine Steigerung der Zahl der Hungernden um 40%, auf 983 Millionen für Anfang 2009 an; schon vorher starben rund 10 Millionen Menschen jährlich an Hunger). Aber jeder Cent, der [...]